Rostocker Inspirationen Teil 4: Künstliche Intelligenz am Rostocker Stadthafen. Planet AI-COO Jesper Kleinjohann im Gespräch

Bildrechte: ITMZ/Uni Rostock
Jesper Kleinjohann von Planet AI

Wer die Büroräume von Planet AI am Rostocker Stadthafen betritt, sieht und spürt sofort: Hier arbeiten engagierte Menschen an den Technologien der Zukunft. Kognitive Systeme, die Bilder, Dokumente und Stimmen verstehen und in Zusammenhänge stellen können, werden hier für unterschiedlichste Anwendungsbereiche entwickelt. Die Künstliche Intelligenz, die Handschriften lesen, Inhalte erfassen, Fragen beantworten und in Relation stellen kann, heißt PlanetBrain. Klingt nach Science Fiction, ist aber Science: In Zusammenarbeit mit der Universität Rostock wird bei Planet AI geforscht, entwickelt und immer neue Anwendungsmöglichkeiten entdeckt.

2015 als Zwei-Mann-Ausgründung der Schweriner Firma Planet IS gestartet, arbeiten mittlerweile 17 Personen bei Planet AI. „Wir wollen aber weiter wachsen“, verrät Jesper Kleinjohann, COO und Mitgründer von Planet AI, „Wir suchen dringend Räumlichkeiten, möglichst an diesem attraktiven Standort. Das ist aber nicht so einfach.“

Zusammen mit Partnern aus IT und Wirtschaft wird die Künstliche Intelligenz PlanetBrain für Anwendungen und Produkte genutzt, beispielsweise im Polizeiwesen. „Es gibt allein 400 Systeme in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die unsere KI nutzen, zum Beispiel für Blitzerfotos. Das System erkennt Nummernschilder und Gesichter und ordnet diese zu. Internationale Nummernschilder zuzuordnen oder sie auch bei mangelhafter Bilddarstellung fehlerfrei zu erkennen, machen diese Systeme möglich“, erklärt Jesper Kleinjohann.

Vor allem in den USA, aber auch in Luxemburg und Dänemark wird PlanetBrain als Grundlage für Adresserkennungs-Software genutzt, vor allem in großen Briefverteilungszentren. „Die Ansprüche an die Logistik von Postsendungen sind groß. Durch unsere KI können Adressfelder erkannt und Handschriften gelesen werden, so können Postsendungen schneller sortiert und damit auch befördert werden.“, verdeutlicht Jesper Kleinjohann die komplexen Aufgaben, die PlanetBrain bewältigen soll. Vor allem der Bereich Handschriftenerkennung bietet für viele Anwendungsfelder interessante Möglichkeiten. „Wir arbeiten eng mit dem Team CITlab der Universität Rostock zusammen, zuletzt im Projekt READ und nun im Projekt NewsEye. Dort werden Handschriften aus dem 15. bis 18. Jahrhundert von uns nicht nur gelesen, sondern auch in Zusammenhänge gestellt und inhaltlich erfasst. Damit tragen wir zum Erhalt des europäischen Kulturerbes bei.“, sagt Jesper Kleinjohann und demonstriert, wie eine Textsuche im fertigen Produkt aussieht. Das System erkennt Wörter in unterschiedlichen Schreibweisen in kaum lesbaren Handschriften und stellt sie übersichtlich dar. „Das System liest das Dokument und erstellt sofort ein durchsuchbares PDF, welches dann für jede*n Anwender*in einfach nutzbar wird. Dieselbe Technologie wird auch in Ämtern oder Krankenversicherungen genutzt.“

Was klingt wie Zukunft, ist für Jesper Kleinjohann und sein Team von Planet AI schon fast Schnee von gestern. „Unsere Technologie lässt sich so vielfältig einsetzen, da sind kaum Grenzen gesetzt. Wir arbeiten derzeit zum Beispiel an einem medizinischen Assistenzsystem, Doctor AI. Es soll Ärzt*innen unterstützen, etwa bei der Diagnosefindung oder Risikoanalyse, und Nutzer*innen durch eine Funktion der Schlaganfallfrüherkennung vorwarnen“, erklärt Jesper Kleinjohann, „Auch ein Chatbot ist denkbar, der den Nutzer*innen für medizinische Fragen zur Verfügung steht. In ländlichen Räumen, in denen Ärtz*innen nicht schnell zur Verfügung stehen, kann so eine Funktion die Kommunikation erleichtern und vielleicht sogar Leben retten.“ Aber das Team von Planet AI denkt noch größer und weiter in die Zukunft. „Unser Traum ist ein Baltic Innovation Center, hier am Rostocker Stadthafen, wo Anwendungsteams mit PlanetBrain gemeinsam arbeiten und ihre Kompetenzen im Bereich AI bündeln“, erzählt Jesper Kleinjohann, „In Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wissenschaft und Wirtschaft können wir so gemeinsam den Entwicklungsstandort Rostock vorantreiben und hier ein Zentrum für die Technologie der Zukunft etablieren. Wir fühlen uns eng mit der Stadt und der Region verbunden und wollen hochqualifizierten Fachkräften hier eine Zukunft bieten. Wir blicken auf 25 Jahre Erfahrung in der KI-Entwicklung zurück, trotzdem arbeiten wir hier wie in einem jungen StartUp – mit Tischkicker, Fitnessraum, flexibler Arbeitszeit und gemeinsamen Teamevents.“ Rostock sieht Jesper Kleinjohann als idealen Standort für eine Einrichtung wie das Baltic Innovation Center. „Wir wollen gern hier bleiben und aktiv dafür sorgen, dass Rostock als Standort noch attraktiver wird. Rostock und die Umgebung kann mehr als Tourismus. Wer an Rostock denkt, sollte nicht nur an einen Strandkorb denken, sondern auch an einen Ort, an dem weltweit wettbewerbsfähige Technologien entwickelt werden. Wir wollen Rostock ein modernes Gesicht geben und dafür setzen wir uns ein, suchen das Gespräch und wollen uns noch stärker vernetzen.“ Was hochqualifizierte Fachkräfte suchen, kann Jesper Kleinjohann aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, zog ihn die Liebe zum Meer an die Ostsee. „Die Stadt passt einfach zu mir und meiner Arbeit. Rostock lebt! Es ist eine Studentenstadt, die neben urbanem Leben auch die Nähe zum Wasser und zur Natur bietet. Um diese Technologien zu entwickeln, braucht man nicht zwangsläufig nach Berlin oder San Francisco gehen. Es geht überall dort, wo es Spaß macht zu arbeiten, wo alles für einen passt – und das ist für mich in Rostock.“

Wer sich genauer über die Möglichkeiten, die die Technologie von Planet AI bietet oder über das Baltic Innovation Center informieren möchte, kontaktiert das Team von Planet AI unter http://www.planet-ai.de/

Bildrechte: ITMZ/Uni Rostock