Mariekes Landpartie – das Pferdemarktquartier in Bützow

Bützow. Ländliche Idylle. Beschauliches Kleinstadtleben. Pilotprojekt für mehr Bürger*innenbeteiligung?

Fangen wir von vorne an. Ich bin auf dem Weg zum Pferdemarktquartier e.V. in Bützow. Es ist herrlichster Sonnenschein und ich werde von Gottfried Hägele vor dem Eckladen begrüßt. Als Vorsitzender des Vereins ist er hier mein erster Ansprechpartner und übernimmt die kleine Führung durch die Räumlichkeiten. Der Kultursalon hat seinen Namen absolut verdient, denke ich in dem Moment, in dem ich ihn betrete. Neben Tischen und Stühlen platzieren sich auch eine große Couch, ein schwarz glänzendes Klavier und eine massive Anrichte im Raum. Die Vorhänge und Kissen sind aus rotem samtigen Stoff, der Spiegel mit einem goldenen verzierten Rand umrahmt. “Hier bieten wir regelmäßig einen Cafébetrieb an. Die Organisation übernehmen dann verschiedene ehrenamtliche Teams. Man kann sich einbringen, indem man entweder einen Kuchen backt oder für die Gäste serviert.”, berichtet Gottfried mir. “Außerdem gibt es auch Lesungen, Kinoabende oder philosophische Cafés.” Er zeigt mir die an den Salon angeschlossene kleine Küche und erzählt, dass der Eckladen früher als Kolonialwarengeschäft betrieben wurde. Jetzt wird die Fläche vom Eigentümer, der selbst im Verein mitanpackt, zur Nutzung zur Verfügung gestellt.

Wir gehen rüber in den Garten hinterm Haus der Familie Hägele. Auf uns wartet bereits ein gedeckter Kaffeetisch im Grünen. Gottfrieds Frau begrüßt mich und wir sprechen über dieses und jenes bis auch der Letzte unserer Gesprächsrunde eintrifft. Carsten Krüger ist Projektkoordinator des Bützower Bürgerhaushaltes. “Die Bürger*innen konnten bis Anfang Juni konkrete Vorschläge einreichen, um die Stadt umzugestalten. Pro Idee stehen maximal 10.000€ zur Verfügung und sie muss der Allgemeinheit zu Gute kommen. Der Gestaltungsspielraum ist damit wirklich groß.”, erklärt Carsten. Möglich gemacht wird der Bürgerhaushalt durch das Interreg – Baltic Sea Region Programm der EU, das demokratische Teilhabe und Entscheidungsfindung von Bürger*innen fördern soll. Die Universität Rostock ist einer der Hauptparter des Projekts. “Die Vorschläge werden in der nächsten Phase an einem öffentlichen Platz einsehbar für alle über einen bestimmten Zeitraum abgestimmt. Ich stelle mir das so vor, dass alle Bützower*innen jeweils eine Kugel in eine Säule einwerfen, die für einen bestimmten Vorschlag steht, um an der Abstimmung teilzunehmen. Die Vorschläge mit den meisten Stimmen werden umgesetzt, bis die zur Verfügung stehenden Gelder ausgeschöpft sind. Dieses öffentliche Abstimmungsverfahren wird jetzt allerdings nicht mehr so einfach bei über 130 Ideen.”, erläutert Carsten weiter. Ich staune und stelle fest, dass keine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, in der ich bereits gewohnt habe (alle mit mindestens 59.000 Einwohner*innen) Teilhabe an Entscheidungsprozessen so transparent und inklusiv gelebt hat wie das kleine Bützow.

Wir sitzen noch eine Weile im Garten und tauschen uns über den Landkreis und ehrenamtliches Engagement aus. Sowohl die Hägeles als auch Carsten haben ein paar Jahre in Rostock gewohnt und das Leben und Bewegung in der Stadt genossen. Doch irgendwann zog es sie raus in den Landkreis. Attraktive Preise für Wohnraum, die eigene Gestaltungsfreiheit und die noch vorhandene Nähe zur Stadt waren unter anderem Gründe für diese Entscheidung. Und auch hier lässt sie etwas bewegen und anstoßen, wie der Pferdemarktquartier e.V. und der Bürgerhaushalt zeigen. Ich muss sagen, dass ich mich im Gespräch wirklich wohl fühle und es mir schwer fällt, wieder weiterzufahren. Mindestens für ein Stück Kuchen im Saloncafé und auf einen Plausch muss ich wohl noch einmal hier vorbeischauen!

Am kommenden Donnerstag geht es dann ein kleines Stückchen weiter in den Westen. Hier wird gemostet, gebaut und geschwitzt. Lasst euch überraschen!