„Rostocker Nachbarschaften“ – Teil 1: Bützow

Für viele Menschen ist der Traum vom Leben und Arbeiten am Meer eng mit der Stadt Rostock verknüpft. Einigen entgeht dadurch vielleicht, welche hübschen Städte, erfolgreiche Unternehmen, intakte Natur, glasklare Seen und vor allem Weite und Platz nur eine kurze Bahnfahrt von Rostock entfernt liegen. Gerade für Familien, Alleinerziehende und Senior*innen hat der Landkreis Rostock, der hier mit „Nachbarschaften“ gemeint ist, viel zu bieten. Neben der Kleinstadtidylle überzeugen vor allem die Ursprünglichkeit der Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen. Großzügig wohnen für weniger Geld, mit den Kindern einfach aufs Fahrrad und an blühenden Feldern vorbei zum nächsten See oder Hofladen radeln, Ruhe und Verbindlichkeit, Hilfsbereitschaft und aktives Vereinsleben, nur zwanzig Minuten vom Arbeitsplatz in der Großstadt oder fünf Minuten vom Arbeitsplatz direkt vor Ort entfernt – das ist im Landkreis Rostock selbstverständlich, aber oftmals noch unentdeckt. Mit unserer neuen Reihe „Rostocker Nachbarschaften“ entdecken wir den Landkreis Rostock und stellen Städte und Dörfer vor.

Den Auftakt unserer neuen Reihe macht Bützow, eine Kleinstadt mit rund 8.000 Einwohnern, zwischen Rostock und Schwerin gelegen. Die Warnow, die in Rostock in die Ostsee mündet, umfließt das Bützower Stadtgebiet. Anders als viele typische Mecklenburger Städte, die sich an den Seiten einer Hauptstraße entlang ziehen, hat Bützow ein historisches Zentrum voller Trubel und Geschäftigkeit. Neben barocken Fachwerkhäusern prägt vor allem die mächtige Stiftskirche den Stadtkern, die daran erinnert, dass Bützow einst Bischofssitz war. Die Häuser um den Gänsemarkt und um das Stadtschloss herum sind bunt, der Ort belebt, viele Einheimische gehen lieber hier einkaufen als in der großen Stadt Rostock. „Hier gibt es noch viele familiengeführte Unternehmen, die über 100 Jahre alt sind“, erzählt Katja Voß, Referentin für Projekte und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und des Amtes Bützow-Land. Viele Unternehmen engagieren sich gemeinsam mit der Stadt Bützow im „UnternehmerKreis“ und dem „AzubiNetzwerk“, welches Auszubildende unterstützt. „Wir bieten eine enge und persönliche Betreuung an, Workshops und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Dadurch bilden sich schnell Freundschaften und bei jedem Problem ist jemand zur Stelle, der helfen kann. So hoffen wir, dass junge Arbeitnehmer*innen die Vorzüge unserer Kleinstadt genießen können, sich heimisch fühlen und bleiben wollen“, erläutert Katja Voß. Es gibt in Bützow aber auch noch viel Platz zur Verwirklichung eigener Ideen. Gerade für Individualist*innen und auch Familien ist Bützow ein Geheimtipp. „Die Bützower sind schon besonders“, lacht Katja Voß. Sie seien nicht nur stolz auf ihr Städtchen, sondern waren schon immer etwas anders, etwas innovativer, etwas mutiger und ausgefallener als der typische, eher gemütliche Mecklenburger.

Bestes Beispiel dafür: Die kurze Zeit, in der Bützow Universitätsstadt war. Nach einem hitzigen Streit mit der Universität Rostock gründete Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin 1760 kurzerhand eine eigene Universität in Bützow und zahlreiche Studenten folgten ihm in das kleine Städtchen. Nach rund 30 Jahren war diese Zeit vorbei, ab Oktober wird eine Ausstellung im Krummen Haus an diese Zeit erinnern. Ein weiteres Beispiel ist das besondere Verhältnis der Bützower*innen zu Gänsen, welches jedes Jahr bei den „Gänsemarkttagen“ gefeiert wird. Da sich die Bützower Marktleute im 18. Jahrhundert nicht vorschreiben lassen wollten, dass sie ihre Gänse nicht frei auf dem Markt laufen lassen dürften, begehrten sie auf und erreichten ihr Ziel: Der Erlass wurde zurückgenommen. Dieses Ereignis wurde in einem Buch und einem in der DDR bekannten Film, „Die Gänse von Bützow“, verewigt.

Bützow bietet eine sehr gute Infrastruktur mit Schulen von der Grundschule  bis zum Gymnasium und Freier Schule, Kindergärten, einem modernen Krankenhaus, Senior*innenwohnungen und barrierefreie Angebote.  „Hier habe ich das, was ich als leichtes Leben bezeichne“, sagt Katja Voß, „Für meine Familie habe ich alles vor Ort, kurze Wege, den Kinderarzt und auch den kleinen Einkaufsmarkt um die Ecke. In  Rostock hingegen müssen viele Menschen weit fahren, um von ihrem Wohnort zur Kita und dann wieder zur Arbeit zu kommen. „Wir steigen morgens aufs Fahrrad und fahren zwei min zur Schule und dann nochmal wenige Minuten zur Kita und dann wieder zurück zum Rathaus.“ Die Kinderfreundlichkeit der Stadt zeigt sich nicht nur in dem vielen Grün und zahlreichen individuellen Spielplätzen, es wird  sogar einen Stadtplan nur für Kinder geben und viele Projekte, in denen Kinder kreativ werden können, zum Beispiel mit farbigen Bänken, die bald im Stadtgebiet und am Wasser zu sehen sein werden. Die Bützower sind eben wie ihre Stadt – ein klein wenig anders als man erwarten würde.

Weitere Informationen unter www.buetzow.de